Spielt die Jahreszeit wirklich eine Rolle?
Bei manchen Fahrzeugtypen ja, bei den meisten kaum. Cabrios und Roadster lassen sich im Frühling deutlich besser verkaufen als im November. Allradfahrzeuge und Kombis sind vor dem Winter gefragter. Bei einem gewöhnlichen Kompaktwagen ist der Kalendereffekt klein gegenüber dem Preis.
Der praktische Schluss daraus: Wenn Sie ein Saisonfahrzeug haben, lohnt sich das Warten auf die passende Jahreszeit. Wenn nicht, verschieben Sie den Verkauf nicht wegen des Kalenders, sondern höchstens wegen der Punkte weiter unten.
Wie stark bestimmt der Preis die Verkaufsdauer?
Sehr stark, und zwar messbar. Aus unserem eigenen Verlauf über mehr als 1'300 beobachtete Schweizer Inserate: Fahrzeuge, die unter ihrem Marktwert inseriert sind, verschwinden im Median nach 18 Tagen vom Markt. Fahrzeuge zum Marktpreis brauchen 58 Tage, also gut dreimal so lang.
Wir verfolgen jedes Inserat auf AutoScout24, tutti und Facebook Marketplace vom Aufschalten bis zum Verschwinden. Das ist die Grundlage dieser Zahl, und sie ist der wichtigste Satz in diesem ganzen Beitrag.
Was das heisst: Der Zeitpunkt, den Sie wählen, entscheidet weniger als der Preis, den Sie setzen. Wer im November einen Preis leicht unter dem Marktwert verlangt, ist schneller verkauft als jemand, der im Mai zu teuer inseriert. Auch der Antrieb zählt: Wie lange Hybride im Vergleich online stehen, zeigt der Ratgeber zu Plug-in-, Mild- und Vollhybrid.
Verkaufe ich besser vor oder nach der Motorfahrzeugkontrolle?
In der Regel danach. Ein Fahrzeug «ab MFK» verkauft sich schneller und zu einem besseren Preis, weil der Käufer das Risiko nicht mehr trägt. Die Ausnahme: Wenn Sie wissen, dass grössere Reparaturen nötig wären, verkaufen Sie besser vorher und schreiben die fällige Prüfung offen ins Inserat.
Wann die Prüfung bei Ihrem Fahrzeug fällig wird und was dabei kontrolliert wird, steht im Ratgeber zur MFK. Die Rechnung ist einfach: Kosten der Prüfung samt Reparatur gegen den Aufschlag, den «ab MFK» im Inserat bringt.
Gibt es Kilometerstände, vor denen man verkaufen sollte?
Ja, die runden Zahlen. Käufer suchen und filtern nach 100'000 oder 150'000 Kilometern, und ein Fahrzeug knapp darunter erscheint in mehr Suchergebnissen als eines knapp darüber. Wenn Sie ohnehin bald verkaufen wollen und nahe an einer solchen Grenze stehen, warten Sie nicht.
Dasselbe gilt für das Alter in Jahren, wenn auch schwächer. Viele Suchfilter arbeiten mit «ab Jahrgang», und jeder Jahreswechsel verschiebt Ihr Fahrzeug eine Stufe nach unten.
Lohnt es sich, auf einen besseren Markt zu warten?
Selten. Ein Auto verliert laufend an Wert, auch wenn es steht. Wie viel genau bei Ihrem Modell, rechnet unsere Bewertung aus, indem sie dasselbe Fahrzeug ein Jahr älter und mit 15'000 Kilometern mehr vergleicht. Diese Zahl ist Ihr Preis fürs Warten.
Stellen Sie sie der Hoffnung gegenüber, dass der Markt anzieht. In den meisten Fällen ist der laufende Wertverlust grösser als der erhoffte Gewinn. Ihre eigene Zahl bekommen Sie auf der Seite zur Fahrzeugbewertung.
Wann ist der schlechteste Zeitpunkt?
Wenn Sie unter Zeitdruck stehen. Wer bis Ende Monat verkaufen muss, verhandelt aus der schwächsten Position und nimmt das erste Angebot. Planen Sie darum mit mindestens zwei Monaten, wenn Sie den Marktpreis erzielen wollen, oder setzen Sie den Preis bewusst tiefer an.
Die Zahlen von oben geben Ihnen dafür den Massstab: Rechnen Sie beim Marktpreis mit rund zwei Monaten, bei einem Preis darunter mit rund zwei bis drei Wochen. Wer diese Wahl bewusst trifft, verkauft besser als jemand, der sie übergeht.